Ich liebe Sicherheit – und habe meinen Job gekündigt
Warum meine Selbstständigkeit kein mutiger Sprung, sondern eine rationale Entscheidung war.
„Wow, das ist aber mutig.“
Das war mit Abstand die häufigste Reaktion, als ich 2021 meinen sicheren Konzernjob bei Siemens gekündigt habe, um mich voll selbstständig zu machen.
Und jedes Mal dachte ich: Nee, eigentlich nicht.
Denn ich bin das genaue Gegenteil dessen, was man landläufig als „mutig“ bezeichnet. Ich bin kein Draufgänger, kein Zocker, kein Typ für „Augen zu und durch“. Im Gegenteil: Ich bin sicherheitsorientiert. Sehr sogar.
Sicherheit und Kündigung – ein Widerspruch?
Für viele Menschen passt das nicht zusammen. Ein sicherer Job, gutes Gehalt, Konzernstrukturen, Planbarkeit – und dann freiwillig kündigen? Das klingt nach Abenteuerlust oder nach blindem Vertrauen in sich selbst.
So war es bei mir nicht.
Ich brauche ein Netz und doppelten Boden. Bevor ich meine Komfortzone verlasse, will ich wissen, dass ich nicht tief falle, wenn etwas schiefgehen sollte. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen: Ich verlasse mich nicht auf Glück – ich baue mir diese Sicherheitsnetze aktiv selbst.
Die Zahlen hinter meinem angeblichen „Mut“
Als ich 2021 in die volle Selbstständigkeit gegangen bin, war das kein spontaner Entschluss, sondern das Ergebnis mehrjähriger Vorbereitung.
Bereits 2019 habe ich nebenberuflich ein eigenes Business aufgebaut – mit dem Verkauf von Wanderstöcken über Amazon. Kein disruptives Startup, sondern ein ganz normales Produkt, ein klarer Markt, und eine saubere Kalkulation.
So entwickelte sich der Gewinn vor Steuern:
2019: gut 12.000 Euro (Start im Mai)
2020: knapp 36.000 Euro
2021: knapp 95.000 Euro
Parallel dazu haben wir konsequent Rücklagen aufgebaut. Ende 2021 hätten wir problemlos mehrere Jahre ohne zusätzliches Einkommen überbrücken können – ohne latente Sorgen, ohne drastische Einschnitte in den Lebenshaltungskosten, ohne „Hoffentlich klappt das“.
War die Kündigung ein Risiko?
Emotional betrachtet: vielleicht.
Rational betrachtet: nein.
Das laufende Business war profitabel, die Entwicklung stabil, die Rücklagen üppig. Der Konzernjob war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr meine Absicherung – er war eher die Bremse.
Die Kündigung war also kein Sprung ins Ungewisse, sondern eine bewusste Entscheidung, nachdem alle Fakten auf dem Tisch lagen und klar dafür sprachen.
Fazit: Freiheit ist kein Zufall, sondern ein Kalkül
Man sagt oft: „Glaube versetzt Berge.“ In der Finanzwelt halte ich es lieber mit einer weniger sexy, aber weitaus wirksameren Methode: Klarheit und Planung.
Wahre Veränderung beginnt nicht mit einer spontanen Bauchentscheidung, sondern mit der ehrlichen Beantwortung unbequemer Fragen: Wie willst du deinen Alltag wirklich verbringen? Was wiegt schwerer – Status oder Freiheit? Erst wenn du weißt, wo du hinwillst, macht der nächste Schritt Sinn.
Dabei scheitern die meisten Träume von „mehr Unabhängigkeit“ nicht am mangelnden Mut, sondern am fehlenden System. Ein realistischer Plan zwingt dich dazu, Annahmen zu prüfen und Risiken bewusst zu kalkulieren, statt einfach auf das Beste zu hoffen. Das Ziel muss dabei nicht zwingend die Selbstständigkeit sein.
Wahre Freiheit bedeutet für viele Angestellte schlichtweg, sich finanziell so aufzustellen, dass Geld für sie arbeitet – und der Job dadurch schrittweise optional wird. Ob Teilzeit, ein Jobwechsel oder die Gewissheit, dass selbst eine Kündigung kein existenzielles Risiko mehr darstellt: Optionen sind die wahre Währung der Freiheit.
Genau hier setze ich mit meiner Beratung an. Ich arbeite mit Angestellten, die ihre Finanzen nicht „optimieren“, sondern strategisch ordnen wollen – mit dem Ziel, langfristig mehr Freiheit zu gewinnen.
Ohne Produktverkauf, ohne schnelle Versprechen, dafür mit Struktur, Klarheit und einem realistischen Plan. Nicht, um alles sofort zu verändern, sondern um sich Schritt für Schritt Optionen aufzubauen.